Forschungen zum Fotograf Heinrich Zille

Es tut weh, wenn man den Ernst als Witz verkaufen muss.
Man kann einen Menschen mit einer Wohnung genau so töten wie mit einer Axt.
Jibt dir det Leben een Puff, denn weine keene Träne! Lach dir'n Ast und setz dir druff und baumle mit de Beene.
Am Tage: Arbeit, ernster Wille. Abends: Ein Schluck in der Destille, dazu ein bisken Kille-Kille. Das hält munter – Heinrich Zille.

Als Namensvetter habe ich mich mit den Heinrich Zille (1858–1929) zugeschriebenen Lichtbildern beschäftigt und dabei Erstaunliches bemerkt: Nicht eine einzige Begründung, weshalb der auch charmant Pinselheinrich genannte Künstler als Lichtbildner gewirkt haben soll, hält einer Prüfung stand. Heutiger Wissensstand ist, dass er als Urheber für die sich in seinem Nachlass befindlichen Negative und Abzüge nicht auszumachen ist. Bei der Forschung tauchten weitere bisher unbekannte Archivalien auf, die auch andere Lebensdaten in Frage stellen.

Zille-Fotograf
Bildzitat: ein Zille-Photograph

zweifelhafte Zuschreibung von Fotos

Seit 1967 wird dem vor allem in Berlin auch heute noch populären Künstler neben seinem grafischen Werk auch eine Tätigkeit als Fotograf zugeschrieben. An dieser These sind erhebliche Zweifel angebracht, da es keinerlei belastbare Belege für eine solche Beschäftigung außerhalb seiner Arbeitsstelle gibt. Die Argumente für die Existenz des Fotograf Heinrich Zille werden im vorliegenden Beitrag auf ihre Plausibilität hin überprüft. Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass die bisherigen Deutungen in höchstem Maße auf Spekulationen beruhen. Die Sachlage rechtfertigt ebenso wenig, von einem fotografischen Werk zu sprechen wie ihn als »Photograph der Moderne« zu bezeichnen. Dagegen finden sich immer mehr Hinweise, dass die Lichtbilder von anderen Urhebern stammen – und der Lithograf dabei lediglich als Helfer im Labor gewirkt hat. Weiterlesen: die bedenklichen Zuschreibungen …

wie Heinrich Zille zum Fotograf gemacht wurde

Die Berlinische Galerie als Besitzer des Fotokonvoluts reagierte auf den Artikel in der Zeitschrift »Fotogeschichte« mit neuen Aspekten, die oberflächlich betrachtet als Belege erscheinen. Es wurde versucht, den Fotograf Heinrich Zille als gesicherte Tatsache darzustellen. Aufgrund selektiver Argumentation, fraglicher Deutungen und signifikanter Fehler bleibt es allerdings ein Experiment, das die Zweifel letztendlich noch erhöht. Legt man jedoch das Augenmerk auf die Umstände, unter denen die Bilder in die Öffentlichkeit kamen, werden finanzielle Interessen plausibel – ein Erbe hat sich mit tatkräftiger Hilfe einiger Händler und Verleger die im Nachlass befindlichen Negative und Abzüge zu Nutze gemacht, in dem er diese dem Pinselheinrich geschäftstüchtig zuschrieb und anschließend vermarktete. Ob lediglich in Unwissenheit gehandelt wurde, erscheint fragwürdig. Fortfahren: wie der Pinselheinrich zum Lichtbildner gemacht wurde …

rätselhafte Signaturen in Fotos

In zwei dem Grafiker offensichtlich fälschlicherweise zugeschriebenen Abzügen finden sich Strukturen, die auf Grund ihrer Wiederholung an Signaturen erinnern. Diese beiden Bildwerke wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem der Standorte aufgenommen, an denen der junge Lithograf seinen Wehrdienst ableistete. Selbstbildnisse sind auf Grund der damals geltenden Gesetze sowie der gesellschaftlichen Zwängen und Gepflogenheiten ausgeschlossen. Weiter: rätselhafte Signaturen in Bildern vom Soldat Zille …

Bildzitat

  Heinrich Zille: Berliner Geschichten und Bilder, Dresden 1925, ohne Seitenangabe.