Heinrich Zille und die ihm zugeschriebene Fotografie

Jeder schließt von sich auf andere und berücksichtigt nicht, dass es auch anständige Menschen gibt.
Wenn Frauen verblühen, verduften die Männer.
Heinrich Zille, nach dem Unterschied zwischen Genie und Talent befragt: Talent kriegt Jehalt.
Kinder, lernt nicht, sonst müsst ihr später arbeiten.
Es tut weh, wenn man den Ernst als Witz verkaufen muss.
Man kann einen Menschen mit einer Wohnung genau so töten wie mit einer Axt.
Jibt dir det Leben een Puff, denn weine keene Träne! Lach dir'n Ast und setz dir druff und baumle mit de Beene.
Am Tage: Arbeit, ernster Wille. Abends: Ein Schluck in der Destille, dazu ein bisken Kille-Kille. Das hält munter - Heinrich Zille.

 

Als Fotograf habe ich mich mit den Heinrich Zille (1858–1929) zugeschriebenen Fotografien beschäftigt und dabei Erstaunliches bemerkt: Nicht eine einzige Begründung, weshalb der auch charmant Pinselheinrich genannte Künstler als Fotograf gewirkt haben soll, hält einer Prüfung stand. Heutiger Wissensstand ist, dass sich keins der Fotos aus seinem Nachlass zweifelsfrei ihm als seine eigene Arbeit zuordnen lässt. Bei der Forschung tauchten bisher unbekannte Archivalien auf, die auch andere Lebensdaten des Pinselheinrich in Frage stellen.

Verwirrung um den Namenswechsel

Der Vater Johann Traugott soll während der Zeit, als die Familie in Radeburg lebte, dem Familiennamen Zill ein »e« angehängt haben. Eine Prüfung deckte hingegen auf, dass es sich lediglich um eine Korrektur zum ursprünglichen Namen handelte. Das Tauf- als auch das Totenbuch der Kirchgemeinde Colditz, dem Geburtsort des Vaters, weisen die Ahnen eindeutig mit dem Namen Zille aus.

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die Kindheit von Heinrich Zille in Dresden

Bisher beruhten die Kenntnisse über die Kindheit in Sachsen einzig auf den Erzählungen von ihm selbst. Allerdings wurden die teilweise erst fünf Jahrzehnte nach dem Erleben abgefasst – und so ist nachvollziehbar, dass sich in Details Ungenauigkeit einschlichen, es sich um verwischte Erinnerungen handelt. Zudem haben Biografen und Trittbrettfahrer nach ihrem Gusto Berichte mit nicht belegbaren Elementen ausgeschmückt. Historisch belastbare Fakten hingegen waren nicht bekannt. Bei einer Untersuchung zu den ihm fälschlicherweise zugeschriebenen Fotografien tauchten Archivalien auf, die auch manche dieser Geschichten fraglich erscheinen lässt.

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zweifelhafte Zuschreibung von Fotografien

Seit 1967 wird dem auch heute noch populären Künstler neben seinem grafischen Werk auch eine Tätigkeit als Fotograf zugeschrieben. An dieser These sind erhebliche Zweifel angebracht, da es keinerlei historisch belastbare Belege für eine fotografische Tätigkeit außerhalb seiner Arbeitsstelle gibt. Die Argumente für die Existenz eines fotografischen Werks des Pinselheinrich werden im vorliegenden Beitrag auf ihre Plausibilität hin überprüft. Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass die bisherigen Deutungen in höchstem Maße auf Spekulationen beruhen. Die Sachlage rechtfertigt ebenso wenig, von einem fotografischen Werk zu sprechen wie ihn als »Fotograf der Moderne« zu bezeichnen. Dagegen finden sich immer mehr Hinweise, dass die Fotos von anderen Urhebern stammen – und er dabei lediglich als Helfer im Labor gewirkt hat.

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wie aus dem Pinselheinrich ein Fotograf gemacht wurde

Die Berlinische Galerie als Besitzer des Fotokonvoluts reagierte auf den Artikel in der Zeitschrift »Fotogeschichte« mit neuen Aspekten, die oberflächlich betrachtet als Belege erscheinen. Es wurde versucht, die fotografische Tätigkeit als gesicherte Tatsache darzustellen. Aufgrund selektiver Argumentation, fraglicher Deutungen und signifikanter Fehler bleibt es allerdings ein Experiment, das die Zweifel letztendlich noch erhöht. Legt man jedoch das Augenmerk auf die Umstände, unter denen die Fotos in die Öffentlichkeit kamen, werden finanzielle Interessen plausibel – ein Erbe hat sich mit tatkräftiger Hilfe einiger Händler und Verleger die im Nachlass befindlichen Fotografien zu Nutze gemacht, in dem er diese dem Pinselheinrich geschäftstüchtig zuschrieb und anschließend vermarktete. Ob lediglich in Unwissenheit gehandelt wurde, erscheint fragwürdig.

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rätselhafte Signaturen

In zwei frühen, dem Grafiker zugeschriebenen Fotografien finden sich Strukturen, die auf Grund ihrer Wiederholung an Signaturen erinnern. Diese beiden Fotos wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Berufsfotografen an einem der militärischen Standorte des späteren Pinselheinrich aufgenommen. Selbstbildnisse sind auf Grund der damals geltenden Gesetze sowie der gesellschaftlichen Zwängen und Gepflogenheiten ausgeschlossen.

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